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Der Film in der Mediathek (ab 6. Mai, 22.25 Uhr)Der Film in der Mediathek (ab 6. Mai, 22.25 Uhr)
Der Chemiker Manfred Herrfurth (Eberhard Esche) ist vom gelebten Sozialismus der DDR enttäuscht und setzt sich in den Westen ab.
Der geteilte Himmel
Eine Liebesgeschichte im Berlin unmittelbar vor dem Mauerbau: Rita Seidel lernt den zehn Jahre älteren Chemiker Manfred Herrfurth kennen. Als er verbittert in den Westen flieht, folgt sie ihm zunächst. Regisseur Konrad Wolf verfilmte den Roman von Christa Wolf über die kritische Auseinandersetzung der deutsch-deutschen Teilung.
Die zwanzigjährige Rita Seidel wacht im Krankenhaus und erzählt rückblickend ihre Geschichte, ihre Liebe zu dem wesentlich älteren Chemiker Martin Herrfurth, der, frustriert von der Schlamperei und der Ungerechtigkeit an seiner Arbeitsstelle, kurz vor dem Mauerbau für immer nach West-Berlin geht. Rita, die angehende Lehrerin, die in der Industriestadt ein Praktikum absolviert und dabei verunglückt, ist hin- und hergerissen, ringt mit sich, ob sie dem Geliebten folgen soll oder nicht. Sie entscheidet sich für die DDR und ihre eigenen Möglichkeit, ihr Leben zu gestalten. Dann wird die Mauer gebaut. Für Rita wäre das gar nicht notwendig gewesen. Sie ist freiwillig zurückgekommen.

Den Nerv der Zeit

In der DDR löste der Roman ein großes Echo aus. Denn immerhin hatte sich die Heldin trotz ihrer messerscharfen Analyse, trotz ihrer Beobachtung der Missstände im sozialistischen System, für die DDR entschieden: im Glauben, hier noch etwas ausrichten zu können. Das DDR-Leben ist zwar schwer, aber es ein besseres.

Diese Einstellung erlaubte es Christa Wolf damals im Gegenzug, Widersprüche in der DDR differenziert zu beschreiben - aus heutiger Sicht war die Analyse der Missstände glasklar. Ihre Argumentation ließ das Buch 1973 auch im Westen zu einem Erfolg werden.

Hier sah man in Christa Wolf eine Autorin, die in der DDR mutig die Mängel des Systems beschrieben hatte. Ein gesamtdeutscher Bucherfolg in den Zeiten der Teilung; die Emanzipationsgeschichte einer jungen Frau, die der Dorftristesse entflieht, in der Großstadt ihre Chance sieht und nicht gleich beim geringsten Widerstand aufgibt - auch deshalb hat sie sich zur Rückkehr entschlossen.


Rita (Renate Blume) und Manfred hoffen auf ein neues Glück im Westen.  © rbb Rita (Renate Blume) und Manfred hoffen auf ein neues Glück im Westen.
Doch das Paar gerät in eine starke Krise.  © rbb Doch das Paar gerät in eine starke Krise.

Der Regisseur in der Kritik

Nach anfänglich positiver Aufnahme - es war noch die Zeit vor dem 11. Plenum des ZK der SED, auf dem viele Filme verboten wurden - ist "Der geteilte Himmel" später zunehmend staatlicher Kritik ausgesetzt.

Je nach politischer Großwetterlage darf er nicht immer gezeigt werden. Erst 1982 läuft er das erste Mal im DDR-Fernsehen. Im großen "Lexikon der DEFA-Spielfilme" steht: "Noch heute ist er vielleicht der wichtigste Gegenwartsfilm jener Zeit".


Sendedaten
Montag, 6. Mai 2019, 22.25 Uhr

Der geteilte Himmel

Spielfilm, DDR 1964

Darsteller:
Rita Seidel: Renate Blume
Manfred Herrfurth: Eberhard Esche
Rolf Meternagel:Hans Hardt-Hardtloff
Ernst Wendland: Hilmar Thate
Ernst Schwarzenbach: Günter Brabbert
Frau Herrfurth: Erika Pelikowsky
Herr Herrfurth: Martin Flörichinger
Martin Jung: Horst Jonischkan
Sigrid: Petra Kelling

Regie: Konrad Wolf

Hintergrund
© dpaNach ihrem Studium der Germanistik und der Arbeit als Lektorin veröffentlicht die 1929 im heute polnischen Landsberg/Warthe geborene Christa Wolf 1961 zunächst nur in der DDR ihr erstes Prosawerk "Moskauer Novelle". Der 1962 erscheinende Roman "Der geteilte Himmel" findet auch im Westen Beachtung.

Wolf, seit 1949 SED-Mitglied und davon überzeugt, der Sozialismus stelle die wünschenswertere Gesellschaftsform dar, setzt sich in dem Werk mit den Folgen der deutschen Teilung auseinander. Es stößt - wie bei dem Thema zu erwarten - bei den Kulturoffiziellen der DDR nicht auf ungeteilte Begeisterung: Zwar erhält Wolf den Heinrich-Mann-Preis der DDR und das Buch wird zwei Jahre später von der DEFA verfilmt, doch werden "große Lücken in der Darstellung der Republik und ihrer Menschen" bemängelt.

Spätestens seit dem internationalen Erfolg ihres Romans "Kassandra" (1983) als gesamtdeutsche Schriftstellerin gefeiert, wurde Wolf nach der Wende in Westdeutschland nur noch auf ihre Nähe zum DDR-Regime reduziert.

Am 1. Dezember 2012 starb Christa Wolf im Alter von 82 Jahren in Berlin.

Filmreihe
Deutsch-Deutsches Kino
Zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes und der Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR zeigen wir insgesamt 21 deutsche Spielfilmklassiker, in denen sich die 40 Jahre gesellschaftlicher Entwicklungen in den beiden deutschen Staaten bis zur Wiedervereinigung widerspiegeln.