© DEFA-Stiftung, Foto Herbert Kroiss
Jakob (Vlastimil Brodsky) und Kowalski (Erwin Geschonneck)
Jakob (Vlastimil Brodsky) und Kowalski (Erwin Geschonneck)
Jakob, der Lügner
Jakob erfindet ermutigende Nachrichten für seine Leidensgefährten, die 1944 in einem Ghetto in Osteuropa auf die Befreiung warten. Die Hoffnung will auch nicht vergehen, als die Lüge auffliegt. - Frank Beyers Verfilmung des berühmten Romans von Jurek Becker wurde als einzige DEFA-Produktion für einen Oscar nominiert.
Jakob möchte seinen Leidensgefährten angesichts des Vormarsches der Roten Armee Hoffnung machen. Im Dienstraum der Gestapo hat er eine entsprechende Meldung aufgeschnappt. Jakob behauptet von nun an, heimlich ein Radio zu besitzen, und denkt sich Mut machende Nachrichten aus. Die Selbstmorde, in die Ghettobewohner immer wieder getrieben wurden, hören schlagartig auf. Alle schöpfen neue Hoffnung und warten auf die Befreiung. Um diese neue Hoffnung aufrechtzuerhalten, muss Jakob immer weiter lügen. Eines Tages entdeckt die kleine Lina jedoch, dass Jakob gar kein Radio besitzt und alle Nachrichten erfunden waren. Die Menschen im Ghetto sollen bald alle deportiert werden, doch sie klammern sich weiter an Jakobs Lügen.

Frank Beyers kongeniale filmische Adaption von Jurek Beckers autobiografisch gefärbtem Roman "Jakob, der Lügner" gehört zweifellos zu den herausragenden Produktionen der DEFA. Es gelingt diesem Film, den tragischen Stoff auf unsentimentale, manchmal fast humorvolle Weise auf die Leinwand zu bringen. Als einzige DDR-Produktion wurde er für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. Bei den 25. Internationalen Filmfestspielen in Berlin wurde Hauptdarsteller Vlastimil Brodsky 1975 mit einem Silbernen Bären als Bester Schauspieler ausgezeichnet.

Das Lexikon des Internationalen Films urteilt, der Film sei "eine gelungene Romanverfilmung aus den DEFA-Studios, konventionell inszeniert, doch hervorragend gespielt. Ein Zeugnis tiefer Menschlichkeit." Die Zeit schreibt: "Behutsam, zärtlich, ohne wohlfeiles Pathos und naheliegende Sentimentalität erzählt Frank Beyer (...), einer der besten Regisseure der DDR, von Menschen, die inmitten von grauenhafter Unmenschlichkeit zu existieren versuchen. Seine bemerkenswerte Qualität bezieht dieser leise Film nicht zuletzt aus einer Fülle von hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Vor allem der Tscheche Vlastimil Brodsky, 1975 mit dem Darstellerpreis der Berlinale ausgezeichnet, und Erwin Geschonnek überzeugen mit Charakterstudien fern von larmoyanten Klischees."

Sendedaten
Montag, 13. Mai 2019, 22.25 Uhr
Credits
Jakob, der Lügner
Spielfilm, DDR 1974
97 Minuten
Regie: Frank Beyer
Mit Vlastimil Brodsky (Jakob), Erwin Geschonneck (Kowalski), Henry Hübchen (Mischa), Armin Mueller-Stahl (Roman Schtamm)
Filmreihe
Deutsch-Deutsches Kino - 40 Jahre Filme in Ost und West
30. April bis 24. Mai 2019